Zusammenfassung der Ergebnisse



Kinder haben ihren eigenen Kopf. Sie nehmen aufmerksam und sensibel ihre Umwelt wahr und kommen zu ihren eigenen Bewertungen. Die große Mehrheit ist mit ihren Lebensverhältnissen in Familie, Schule, Freizeit und Freundeskreis zufrieden und fühlt sich wohl. Kritik an fehlender Kinderfreundlichkeit im Wohnumfeld ist eher verhalten und bezieht sich vor allem auf Belastungen durch Autoverkehr sowie auf den Mangel von Spielfreunden in der Nachbarschaft, in Ballungsgebieten auch auf Angst vor Jugendbanden. Bemerkenswert und förderungswürdig ist auch die relativ groß ausgeprägte Bereitschaft der Kinder, sich für an- dere zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Die 1. World Vision Kinderstudie zeigt aber auch auf, wie nachhaltig wirksam bereits im Kindesalter die sozialen Unterschiede sind und wie maßgeblich die soziale Herkunft den Alltag prägt. Kinder haben je nach Schichtzugehörigkeit unterschiedliche Gestaltungsspielräume. Die schlechteren Startchancen von Kindern aus den unteren Herkunftsschichten durchzie- hen alle Lebensbereiche und wirken wie ein Teufelskreis. Armutsrisiken und fehlende Res- sourcen werden als Belastungen erlebt und schränken Teilhabemöglichkeiten ein: in der Familie, die durch materiellen Druck und existenzielle Sorgen häufig überfordert ist; in der Schule, in der meist die Zeit und die Möglichkeiten für eine individuelle Förderung zum Ausgleich von Nachteilen fehlt, sowie im Wohnumfeld oder bei der Freizeitgestaltung.

Kinder aus den unteren Schichten sind häufiger auf sich allein gestellt. Es fehlt ihnen an Rück- halt, an Anregungen und an gezielter Förderung. In der Konsequenz ist der Alltag dieser Kinder häufig einseitig auf Fernsehen oder auf sonstigen Medienkonsum ausgerichtet. Auffällig ist, dass insbesondere Jungen für diese auch sozial eher ausgrenzende Form der Freizeitgestaltung anfälliger sind. Kinder aus den gehobenen Schichten können hingegen von Anfang an ihre besseren Chancen nutzen. Sie verfügen im Vergleich betrachtet über mehr Gestaltungsspielräume und ihr familiärer Bildungshintergrund eröffnet ihnen viel selbstverständlicher den Zugang zu einer vielfältigen und kreativen Form der Freizeitgestaltung. Fernsehen ist hier weitaus häufiger nur eine Aktivität neben anderen und auch das Selbstvertrauen in die eigene Lernkompetenz ist höher ausgeprägt.

Die 1. World Vision Kinderstudie wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Bielefeld und des Forschungsinstituts TNS Infratest Sozialforschung in München erstellt. Klaus Hurrelmann und Sabine Andresen waren für die konzeptionelle Grundlegung und inhaltliche Ausrichtung der Studie verantwortlich. Bei TNS Infratest Sozialforschung lag die Verantwortung für methodisches Design, Durchführung der Befragung und Auswertung bei Ulrich Schneekloth.