Friedensförderung und humanitäre Anwaltschaftsarbeit



Hintergrund / Problem


Die Anzahl bewaffneter Konflikte und Kriege nimmt wieder zu – nachdem sie nach Ende des Kalten Krieges kontinuierlich abgenommen hatte. Diese bewaffneten Auseinandersetzungen machen Entwicklung in vielen Ländern unmöglich – denn Entwicklung braucht Frieden als Grundlage ebenso wie Frieden nur bei gleichzeitiger Entwicklung möglich ist.

Dabei sind Konflikte bei der Entwicklung von Gesellschaften unabdingbar. Es kommt aber darauf an, wie sie ausgetragen werden – und ob die Gesellschaft entsprechende Institutionen hat, um Streitfälle friedlich beizulegen und Spannungen so zu transformieren, dass sie zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen. Dabei kommt es auf der Institutionenseite vor allem auf die „Rechtsinstitutionen“ an, sowie um eine fähige und willige Administration, die die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung sicherstellen. Bildung, Gesundheit, Partizipation der Gesamtbevölkerung am Reichtum einer Gesellschaft, Regulierung des Handels, Eintreiben von Steuern, Einhaltung von Umweltschutz – all dies sind Verantwortlichkeiten einer guten Regierungsführung, und die Administration muss sich diesen Namen auch verdienen.

Auf der anderen Seite bedarf es einer agilen und fähigen Zivilgesellschaft, die ihre Interessen formulieren und vertreten kann und die Institutionen damit konfrontiert und entsprechend zur Rechenschaft zieht.

Funktioniert dieser „Dialog“ zwischen Institutionen und Zivilgesellschaft und ist Rechtsstaatlichkeit gewährleistet, steht einer friedlichen Entwicklung einer Gesellschaft eigentlich nichts entgegen. Die Rechtssprechung darf dabei durchaus auch auf traditionellem Recht gründen, welches allerdings fortwährend „aktualisiert“ und modernisiert werden muss.

Die Wirklichkeit heute sieht allerdings anders aus: Immer mehr Länder fallen in die Fragilität zurück, lokale Administrationen sind ausschließlich auf die eigene Bereicherung ausgerichtet und externe Kräfte sind an rücksichtsloser Rohstoffausbeutung interessiert und „füttern“ so lokale Konflikte, um durch Bestechung sich wirtschaftliche Vorteile zu sichern.

Waffenlieferungen an Regime mit schweren Menschenrechtsverletzungen befördern den gewaltsamen Austrag der Konflikte. So rutschen immer mehr Länder in kriegsähnliche Zustände ab, bei gleichzeitiger Schwächung internationaler Normen und internationalen Rechts.


Thematische Schwerpunkte und Projektmodelle


Im Bereich Friedensförderung und humanitäre Anwaltschaftsarbeit kümmert World Vision Deutschland sich um:

- Konfliktsensibilität (Do no harm) und Konfliktanalysen (Making Sense of turbolent Conflicts) – hier werden alle Akteure vor Ort einbezogen, um ein vollständiges Bild von den Konflikten vor Ort zu erlangen.

- Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten („Children affected by Armed Conflict“) - ein UN-Mechanismus zur Eindämmung von sechs besonders schweren Übergriffen auf Kinder in Konfliktgebieten:
* Tötung und Verstümmelung von Kindern in Konflikten
* Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldaten
* Verweigerung humanitärer Hilfe an Kinder in Konflikten
* Vergewaltigung und andere schwere sexuelle Gewalt gegen Kinder
* Entführung von Kindern
* gezielte Angriffe auf Schulen und Hospitäler
World Vision Deutschland setzt sich für die Einhaltung von „Aktionsplänen“ zum Schutz der Kinder vor diesen Übergriffen ein und versucht durch eigene Projekte, Kinder so zu stärken, dass sie sich möglichen Übergriffen widersetzen können bzw. wissen, wo sie Hilfe bekommen können.

- World Vision Deutschland hat eine Ausstellung zum Thema „ich krieg dich – Kinder in bewaffneten Konflikten“ erstellt, die durch die Bundesrepublik tourt und auch schon in der deutschen UN Vertretung in New York, im Europäischen Parlament in Brüssel, in Wien, im Deutschen Bundestag und im Auswärtigen Amt in Berlin zu sehen war. Damit wollen wir auf das Schicksal von Kindern im Krieg aufmerksam machen und die Politiker zum Handeln bewegen.

- Ein Thema, dem wir uns besonders widmen, ist das Thema „Kindersoldaten“. Alljährlich werden sog. "rote Hände“ anlässlich des Red Hand Day gesammelt und an Politiker übergeben, womit deutlich gemacht wird, dass Kinder nichts in bewaffneten Milizen oder beim Militär zu suchen haben, sondern in die Schule gehören.

- Humanitäre Anwaltschaftsarbeit: In Konflikten wie Syrien, Somalia, im Sudan und im Südsudan setzt sich World Vision Deutschland für den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe zur bedürftigen Bevölkerung ein, unabhängig von Religion, Politik oder ethnischer Zugehörigkeit. Die „humanitären Prinzipien“ werden in Konflikten wie in Syrien schwer in Mitleidenschaft gezogen. Unabhängig von der Politik oder dem Konfliktverlauf hat jeder Bedürftige ein Recht auf humanitäre Notversorgung.

- In besonderen Friedensprojekten widmen wir uns vor allem Kindern als Friedensbotschaftern: „Educating Children as Peacebuilders“ (z.B. in Ruanda) führt Trainings mit Kindern meist unterschiedlicher Gruppenzugehörigkeit durch, um Fähigkeiten zur Konfliktbeilegung und Sensibilität gegenüber den anderen Konfliktbeteiligten zu erhöhen – diese Erfahrungen setzen die Kinder dann nicht nur untereinander ein, sondern versuchen auch, ihre Eltern davon zu überzeugen. So führte in Davao (Mindanao / Philippinen) der Straßenverkauf von Schweinefleisch auf dem Zufahrtsweg zu einer Moschee regelmäßig zu Streit. Aufgrund der Intervention der Kinder wurden die Stände der Händler in eine benachbarte Straße verlegt.

- Politische Anwaltschaftsarbeit: In Berlin versuchen wir auf die Bundesregierung und den deutschen Bundestag so einzuwirken, dass die Rahmenbedingungen für Kinder in fragilen oder Konfliktländern sich verbessern – sie besser geschützt werden, kindergerechte Hilfe bereitgestellt und finanziert wird. Wir geben Kindern eine Stimme – denn oftmals sind es gerade Kinder, die etwa in Friedensprozessen keine Platz am Tisch haben und so weder auf ihre Probleme noch ihre Lösungsvorschläge aufmerksam machen können. In Konfliktgebieten wie Libanon oder Südsudan befragen wir daher regelmäßig Kinder oder lassen sie selbst Reports schreiben, die wir dann den Politikern in Deutschland an die Hand geben.

Projektbeispiele und konkrete Studien



Kleinwaffen in Kinderhänden, Studie Februar 2017

Rebound Flyer

Kongo Studie Oktober 2014
Süd Sudan Studie Fear and Want
Armed Violence in Ostafrika
Syrien Kinderbericht

Flyer Friedensförderung und humanitäre Anwaltschaftsarbeit

Links


- Watchlist Children and Conflict 
- Watchlist App
- Friedensförderung bei World Vision
- Deutsches Bündnis Kindersoldaten

Unser Experte













Ekkehard Forberg
Manager für Friedensförderung und Anwaltschaftsarbeit