Häufig entstehen Unternehmensgründungen und Konzepte zur Selbstständigkeit, weil Potential für Geschäftsfelder vorhanden ist oder aus wirtschaftlich schwierigen Situationen heraus. Arbeitslosigkeit oder ein zu geringes Einkommen um den Lebensalltag zu bestreiten sind Beispiele dafür. Gleichzeitig jedoch ist der Zugang zu Kapital zur Gründung dieser Kleinunternehmen eine enorme Herausforderung, die oft nicht gemeistert werden kann.

In vielen Ländern des globalen Südens gibt es eine Vielzahl einkommensschwacher Haushalte, deren Verdienst bei weniger als 1,25 US Dollar pro Tag liegt, der offiziellen Grenze für extreme Armut, festgelegt von der World Bank. Basierend auf diesem Grenzwert wurden 2010 rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit als in extremer Armut lebend klassifiziert, der Großteil davon auf dem afrikanischen Kontinent.

Mikrokredite haben sich an dieser Stelle als sehr wirksames Mittel zur Bekämpfung von Armut und Hunger bewährt. 'Mikro' bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die relativ kleinen Summen, die an die Kreditanwärter vergeben werden, in diesem Kontext kann auch von Kleinkrediten gesprochen werden. Für Menschen, die keine ausreichende Bonität haben, um von einer herkömmlichen Bank ein Darlehen zu bekommen, ist dies oft der einzige Weg, durch eigene Kraft ihre Einkommenssituation zu verbessern. Und da nur so eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder möglich ist, ist es das Bestreben von World Vision, so vielen Menschen wie möglich, eine Anschubfinanzierung für ihr Projekt zu gewähren.


Mikrofinanz
 

Hintergrund/Problem

Um die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land fördern zu können, ist zunächst einmal ein gesundes Finanzsystem notwendig. Genau daran mangelt es aber in vielen Ländern. Wenn ein Banksystem existiert, ist dies häufig nicht zu Gunsten der Armen ausgelegt. Zum einen gibt es in den ländlichen Regionen häufig überhaupt keine Institutionen, an die sich die Bewohner der Region wenden könnten, so dass schlicht und ergreifend kein Zugang zu Finanzdienstleistungen besteht. Zum anderen vergeben die Banken aus Effizienzgründen oftmals ausschließlich Großkredite, da der Verwaltungsaufwand bei der Vergabe der selben Summe als Kleinkredite wesentlich höher ist und damit auch kostenintensiver. Kreditwürdig sind nur diejenigen, die über ein geregeltes Einkommen verfügen oder ähnlich verlässliche Sicherheiten vorweisen können. Die Personen, die einen Kleinkredit benötigen, sind jedoch mehrheitlich einfache Bauern und Handwerker, oder erwerbslose Frauen, die kaum lesen und schreiben können, geschweige denn ein Bankkonto besitzen. Diese Menschen verfügen über ihre Arbeitskraft und viele Ideen, jedoch über zu wenig Geld und unternehmerisches Wissen, um diese Ideen umzusetzen. Um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, sind sie gewillt, ein eigenes kleines Gewerbe ins Leben zu rufen, bzw. ihre bisherigen Geschäftstätigkeiten weiter auszubauen, um ihr Einkommen zu erhöhen, damit sie ihre Familie ernähren und die Kinder in die Schule gehen können. Fehlt an dieser Stelle der Zugang zu Finanzdienstleistungen, ist es diesen Menschen so gut wie unmöglich ihre Lebenssituation zu verbessern. Hier greifen Mikrofinanzinstitute, die versuchen diese Lücke zu schließen, indem sie Mikrokredite, Mikrosparbücher und Mikroversicherungen anbieten.

Strategie/Projektmodelle/Schwerpunkte



Wie bereits erwähnt, haben sich Mikrokredite in vielen Ländern als wirksames Mittel gegen Armut und Hunger bewährt, sind jedoch nicht als Wundermittel zu betrachten. Sie ermöglichen es den Kreditanwärtern zwar das angestrebte Projekt zum Laufen zu bringen, sind allerdings keine Garantie dafür, dass das Kleinunternehmen tatsächlich erfolgreich ist und sich die Lebenssituation der Kreditnehmer verbessert. Um auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen bestmöglich eingehen zu können, bietet World Vision über sein Tochterunternehmen Vision Fund International speziell zugeschnittene Mikrokredite, Sparbücher und Mikroversicherungen an. Der Unterschied zwischen den einzelnen Produkten wird im Folgenden erläutert.


Mikrokredite



Die Vergabe von Kleinkrediten kann in unterschiedlicher Form erfolgen: bar, aber auch in Form von Sachgütern. Beispiele für Sachgüterdarlehen sind Saatgut, Zuchttiere, landwirtschaftliche Ausrüstung u.a. Vergebene Geldbeträge betragen oft nur ein paar hundert Dollar. Mikrokredite sind also so konzipiert, dass sie erschwinglich für den Kreditnehmer sind und realistisch im Hinblick auf die Zins- und Rückzahlungen. In Fällen, in denen nicht nur eine Einzelperson von dem Darlehen profitiert, sondern eine größere Gruppe oder gar die gesamte Dorfgemeinschaft, werden die Darlehensempfänger angehalten, sich in Gruppen zu organisieren, deren Mitglieder gemeinschaftlich haften. Diese Gruppen werden auch Solidaritätsgruppen genannt, weil sie gemeinsam einen Kredit erhalten und füreinander bürgen. In vielen Fällen sind die Empfänger, sofern ihre Geschäftsidee erfolgreich war und die Zinsen pünktlich zurückgezahlt wurden, berechtigt, höhere Folgekredite in Anspruch zu nehmen, um ihr Geschäft weiter auszubauen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Rücklaufquote oft weit über 90 Prozent liegt, insbesondere bei Frauen, denen man eine größere Gewissenhaftigkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit Krediten nachsagt. Männer hingegen erliegen zuweilen der Versuchung einer Zweckentfremdung des geliehenen Geldes. Wenn die Kredite zurückgezahlt werden, werden die Mittel für andere Kreditnehmer recycelt. Auf diese Weise unterstützt ein Fonds eine Reihe von verschiedenen Unternehmen und verhilft letztendlich zu einer vielfältigen und nachhaltigen lokalen Wirtschaft.

 

Mikrosparbücher

 
Savings Programme sollen es armen Menschen ermöglichen Geld zu sparen, auf das sie im Notfall, nach einer Katastrophe oder einem Unglück zurückgreifen können. Ohne Sparanlagen kann z.B. nicht in die eigenen kleinen Unternehmen investiert werden und auch „Sonderausgaben“ wie Schulgebühren oder Hochzeiten können oft nur durch angespartes Kapital bezahlt werden.

Zu den Aufgaben der Sparprogramme gehört es zum einen über die Wichtigkeit von finanziellen Rücklagen aufzuklären, zum anderen soll von den oft sehr risikobehafteten Alternativsparmethoden hin zu tatsächlichen Sparkonten bewegt werden. Da der ländlichen Bevölkerung meist der Zugang zu Finanzdienstleistern fehlt, haben sich informelle Sparmethoden eingebürgert, wie z.B. das Investieren in Vieh oder Sachgüter, die sich leicht wieder verkaufen und somit in Bargeld konvertieren lassen. Das Problem dabei ist offensichtlich: Güter können kaputt gehen oder verderben, Tiere können sterben. Auch das einfache Verstecken der Ersparnisse birgt klare Risiken: Das Geld kann gestohlen oder von anderen Personen, z.B. Familienmitgliedern, verwendet werden.

Mikrofinanzinstitutionen ermutigen die Menschen deshalb verstärkt dazu, einen Teil ihres kleinen Einkommens auf einem Mikrosparbuch sicher aufzubewahren und von der Verzinsung des Betrags zu profitieren. Der Sparkontoeigentümer kann jederzeit auf die Ersparnisse zugreifen und weder bei Ein- noch bei Auszahlungsbeträgen gibt es ein Minimum, da die Klienten meist nur über sehr geringe Summen verfügen.

In der Regel sind die Eröffnung eines Sparkontos und die Vergabe eines Kleinkredits völlig unabhängig voneinander. Manchmal ist es jedoch so, dass bei der Vergabe eines Kleinkredites direkt die Eröffnung eines kleinen Sparkontos erfolgt und der Kreditnehmer dazu verpflichtet wird, einen gewissen Betrag des zukünftig erwirtschafteten Vermögens zu sparen. Die so gesparten Erträge dienen unter Anderem als Schuldensicherheit für das Mikrofinanzinstitut.


Mikroversicherungen


So normal Versicherungen in Industrieländern sind, so ungewöhnlich ist es ärmere Menschen in Entwicklungsländern zu versichern. Dies liegt schlicht daran, dass dieses Geschäft für normale Versicherungsfirmen nicht lukrativ genug ist. Ein Großteil der dort lebenden Bevölkerung ist also seinem Schicksal ausgeliefert, und hat keine Möglichkeit sich gegen negative Ereignisse abzusichern. Im Falle von Katastrophen, Unfällen oder Krankheit kann das für die Menschen verheerende Folgen haben, da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um solche Ereignisse abzufangen.

Neben dem Mikrosparen haben sich für diese Fälle auch Mikroversicherungen als sehr effektives Entwicklungswerkzeug erwiesen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei ist, dass die Investition in eine Mikroversicherung für den Versicherungsnehmer verständlich ist. Die Vorteile einer Versicherung müssen klar vermittelt werden, um zu verhindern, dass sie als belastende Ausgabe wahrgenommen wird. Die am weitesten verbreiteten Arten von Mikroversicherungen sind Kranken- & Kreditlebensversicherung und Ernteausfallversicherungen.

Kranken- und Kreditlebensversicherungen sind so angelegt, dass eine grundlegende Gesundheitsversorgung zu einem niedrigen Beitrag gewährleistet ist. Die monatlichen Beiträge belaufen sich auf nur wenige Cents, die Versicherungsnehmer bzw. deren Angehörige sind dadurch aber gegen Krankheitsfälle oder aber im Todesfall finanziell abgesichert.

Durch Ernteausfallversicherungen sollen Kleinbauern vor den Risiken klimabedingter Naturkatastrophen geschützt werden, welche für sie schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.

Alle drei Leistungen zusammen - Kredite, Sparkonten und Versicherungen - machen Mikrofinanzierung letztendlich aus und durch unser VisionFund Netzwerk sind diese Leistungen an über 35 Standorten auf der ganzen Welt für arme Menschen mit großen Ideen zugänglich.

Ergänzend zu Mikrokrediten, Mikrosparbüchern und Mikroversicherungen hat World Vision drei Projektmodelle für den Bereich Wirtschaftsentwicklung entwickelt, welche unter ‘Wirtschaftliche Entwicklung’ genauer nachzulesen sind.



Weiterführende Links/Studien



World Vision Micro

Vision Fund 
MikrofinanzWiki

Microfinance for Decent - Studie ILO



Unsere Expertin


 













Katharina Jeschke
Fachreferentin für wirtschaftliche Entwicklung, Inclusive Business und Mikrofinanz
institut@worldvision.de