Hintergrund/Problem




In der politischen Anwaltschaftsarbeit setzt sich World Vision Deutschland hierzulande in Politik, Gesellschaft und Fachwelt für eine Verbesserung der Lebensumstände von Kindern, ihren Familien und Gemeinden in den Ländern des Südens ein. Auch in armen Ländern engagieren wir uns, um Menschen mit lokaler Anwaltschaftsarbeit zu stärken. Die Lebensweise in den Industrieländern und viele Entscheidungen, die hier gefällt werden, haben in der Tat oft starke Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Ländern des Südens. Doch ihre eigenen Einflussmöglichkeiten auf die Politik in Deutschland, Europa oder Nordamerika sind meist gering.

Deshalb erheben wir, etwa wie Anwälte, unser Stimme für jene, die es nicht tun können, treten für ihre Rechte ein und setzen uns für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Entwicklungszusammenarbeit ein. Die am meisten gefährdeten Kinder wie beispielsweise Kinder in bewaffneten Konflikten, bekommen unsere volle Aufmerksamkeit.

Wir sind der Überzeugung, dass wirksame Entwicklungszusammenarbeit, um eine wirkliche Verbesserung der materiellen und sozialen Situation zu erzielen, über die Durchführung von Projekten vor Ort hinausgehen muss. Positive Veränderungen für Menschen und Regionen sind nur dann nachhaltig, wenn Systeme und Strukturen gerechter werden.

Entscheidend ist es außerdem als Kinderhilfswerk, in unserer politischen Anwaltschaftsarbeit, Kinder und Jugendliche zu beteiligen und ihnen Plattformen zu bieten, wo sie ihre eigene Stimme erheben können. Aus diesem Grund gestalten Jugendbotschafter zusammen mit World Vision Deutschland ihre eigenen Aktionen, um von der Politik, der Gesellschaft und der Fachwelt gehört zu werden.


Thematische Schwerpunkte


Wir fokussieren unsere politische Anwaltschaftsarbeit auf Friedensförderung & zivile Konfliktbearbeitung, Kinderschutz & Kinderrechte - darunter Kinderpartizipation - und auf Kleinkindergesundheit.

Arbeitsmethoden



Vermitteln und Austauschen von Expertise



World Vision engagiert sich in knapp 100 Ländern mit langfristig angelegten Entwicklungsprojekten. So sind wir sehr nah an der Situation und den Bedürfnissen der Menschen und verfügen über eine Vielzahl von Informationen und Einschätzungen von vor Ort, die für entwicklungspolitische Entscheidungen in Deutschland relevant sind.

Wir informieren in direkten Gesprächen mit Politikern und mit Mitarbeitern aus Ministerien, wie beispielsweise dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Wir überzeugen mit Argumenten und Beispielen aus unseren Projekten, motivieren Parlamentarier zum Handeln, schlagen Themen für Ausschusssitzungen vor und informieren über Hintergründe und aktuelle Entwicklungen. Auf parlamentarischen Abenden regen wir zum Dialog an. Wir organisieren und begleiten Parlamentarier-Reisen und bringen so die Lebensumstände und Bedürfnisse der Menschen vor Ort direkt politischen Entscheidungsträgern nahe. Darüber hinaus bringen wir uns in Gesprächsrunden, Konferenzen und Runden Tischen ein, um Expertise zu vermitteln und auszutauschen. Wir wirken in Bündnissen und Netzwerken mit, in denen sich deutsche und auch internationale Organisationen gemeinsam für eine Sache engagieren, wie beispielsweise dem Dachverband deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), dem Aktionsbündnis gegen Aids und der National Coalition.


Mobilisierung der Öffentlichkeit



Auch die deutsche Öffentlichkeit ist eine unserer Zielgruppen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen, Straßenstände, Infostände bei Konzerten, Online-Aktionen über unsere sozialen Netzwerke oder Unterstützermobilisierung in Schulen und Vereinen gehören mit zu unserer Arbeit. 

Medienarbeit



Nach dem Motto "Tue Gutes und rede darüber" versuchen wir über Medienarbeit die Öffentlichkeit für unsere Themen zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu bewegen. Journalisten sind hierbei sehr wichtige Mittler. In Form von Hintergrundgesprächen vermitteln wir intensive Einblicke in komplizierte Sachfragen. Wir erstellen Pressemeldungen anlässlich von Aktionen, Konferenzen, Jahrestagen oder neuen Studien, erstellen Blogs und Vlogs und führen Pressekonferenzen durch. Auch gemeinsame Aktionen mit Bündnissen gehören dazu 


Beispiele



Friedensförderung 


Im Dialog mit Politikern wollen wir politische Rahmenbedingungen verändern, damit Kinder in Kriegszeiten besseren Schutz vor Gewalt und Misshandlung erhalten. Wir treten mit konkreten Forderungen an Verantwortliche im Auswärtigen Amt, im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages heran. Unsere Forderungen beziehen sich u.a. auf die Bereiche Humanitäre Hilfe, Kindersoldaten, Reglementierung des Kleinwaffenhandels und den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten. So fordern wir, dass bei humanitären Einsätzen zivile und militärische Mandate getrennt bleiben, damit Hilfsorganisationen auch in Zukunft Zugang zu Bedürftigen haben. In Konfliktgebieten sollen sogenannte "child friendly spaces" für Kinder geschaffen werden, in die sie sich zurückziehen, spielen, lernen und einfach Kind sein können. Sie sollen in Friedensverhandlungen einbezogen werden und die Möglichkeit erhalten, sich in Kinderparlamenten und Jugendclubs zu engagieren und zu organisieren.

Um den Blick der Öffentlichkeit auf Kinder und ihre Sorgen im Krieg zu lenken, konzipierten wir die Bild- und Text-Ausstellung "ich krieg dich - Kinder in bewaffneten Konflikten"(www.worldvision.de/informieren/unsere-themen/politische-arbeit/ausstellung). Sie lässt Kinder in Konfliktgebieten selbst zu Wort kommen, gibt ihnen eine Stimme und macht so besonders eindrücklich auf ihre besonders prekäre Situation aufmerksam. Die Ausstellung wurde unter großer Anteilnahme bereits in verschiedenen Landtagen, Regierungspräsidien, aber auch im Europäischen Parlament, im Deutschen Bundestag und in der deutschen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York gezeigt. Die Ausstellung hilft uns, politische Entscheidungsträger von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich für einen besseren Schutz von Kindern vor Gewalt und Krieg einzusetzen.

Kinderschutz und Kinderrechte



Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern Träger eigener Rechte, der Kinderrechte, zu deren Umsetzung sich fast alle Staaten dieser Erde in der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet haben. In diesem Bereich unserer Anwaltschaftsarbeit kommen wir mit Politikern darüber ins Gespräch, wie die Rechte von Kindern weltweit und in Deutschland besser umgesetzt werden können. Die aktuelle WV-Studie "Angekommen in Deutschland - Wenn geflüchtete Kinder erzählen" nimmt die Situation von geflüchteten Kindern in Deutschland in den Blick. Die Kinder selbst kommen in Interviews zu Wort, aus denen wir 10 Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet haben. Die Handlungsempfehlungen stellten wir in zahlreichen Veranstaltungen und Einzelgesprächen Bundestagsabgeordneten aller Parteien, Vertretern von Ministerien und anderen Fachleuten vor. So nehmen wir Einfluss, um die Situation von geflüchteten Kindern in Deutschland ins Augenmerk der Politik zu rücken und sie nachhaltig zu verbessern.


Kleinkindergesundheit



Mit der globalen Kampagne "Child Health Now" (in Deutschland "Gesunde Kinder Weltweit") vermittelt World Vision klare Forderungen an politische Entscheidungsträger, wie beispielsweise das Problem der weltweiten Kindersterblichkeit auf die Tagesordnung der alljährlichen G8- und G20-Gipfel zu setzen und generell der Gesundheitsfürsorge in armen Ländern einen höheren Stellenwert einzuräumen. Wir erinnern Regierungsvertreter regelmäßig an ihre Versprechen und fordern Zusagen einzuhalten, die sie im Rahmen der „Millenniumserklärung“ der Vereinten Nationen gegeben haben.

Mit Mitmach-Aktionen wie "Gebt uns die Hand" riefen wir die deutsche Öffentlichkeit auf, sich zu beteiligen: Beispielsweise konnten Bürgerinnen und Bürger eine „Wunschhand“ mit Wünschen für die Kinder in armen Ländern, die kaum oder gar kleine Gesundheitsversorgung erhalten, beschriften und an uns schicken. Im Anschluss an die Aktion wurden alle Wunschhände mit der Forderung für „Gesunde Kinder Weltweit“ an die Bundesregierung übergeben.


Jugendbeteiligung



World Vision ist eine Beteiligungsorganisation. Dies spiegelt sich auch in der Anwaltschaftsarbeit in Deutschland wider. Unser ganzheitliches Konzept für Jugendengagement bietet den Rahmen für vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Jugendforen, politische Kampagnenarbeit und Kreativwerkstätten mit Jugendlichen werden angeboten. Bei der Aktion "Hunger 24" verzichten Jugendliche 24 Stunden lang auf Essen und lassen sich für ihren Verzicht finanzieren. Das gesammelte Geld kommt Projekten von World Vision in Äthiopien zugute, die sich um die Beseitigung des Hungers kümmern.

Unsere Expertin






 

 








Gudrun Schattschneider
Leiterin Politik und Fachlichkeit

institut@wveu.org