Hintergrund/Problem



In Entwicklungsländern ist die Wirtschaft häufig von einer Struktur geprägt, in der traditionelle Produktionsweisen, wie die Landwirtschaft gegenüber den modernen und dynamischen Wirtschaftsbereichen, der Industrie, stark überwiegen. In der Regel herrscht eine überproportional hohe Arbeitslosigkeit, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen ist sehr gering und innerhalb der Bevölkerung ist die Einkommensverteilung ungleich. Nicht selten sind die Länder dazu noch international hoch verschuldet und leiden deshalb an chronischem Kapitalmangel, was es ihnen zusätzlich erschwert Wirtschaftsförderung zu betreiben.

Menschen die sich aus dieser Situation befreien wollen, und z.B. etwas Startkapital für das eigene kleine Geschäft aufbringen möchten oder Ihre Geschäftstätigkeiten weiterausbauen möchten, sind mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Allein simples Geld sparen gestaltet sich schwierig, da das Einkommen meist unregelmäßig ist und darüber hinaus die Gewohnheit und der Glaube in den Köpfen der Menschen festsitzt, ohnehin nicht über genügend Mittel zu verfügen, um etwas beiseite legen zu können. Des Weiteren gestaltet sich der Zugang zu Finanzinstituten zur Aufnahme eines Mikrokredits in den meisten Fällen sehr schwierig: viele Menschen leben in abgelegenen ländlichen Gegenden ohne infrastrukturelle Anbindung an Städte, wo sich Banken und Finanzinstitute befinden; manche Personen erfüllen nicht die Voraussetzungen der Kleinkreditinstitutionen.

Selbst wenn man jedoch letztendlich das Geld zusammenbekommt, so verfügen die Gemeinden oft über schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und den (zukünftigen) Kleinunternehmern mangelt es oft an Wissen und Fähigkeiten um ihr Geschäft professionell aufzuziehen oder zu erweitern. Hinzu kommt, dass Einzelpersonen meist keinen guten Zugang zu den Märkten haben, um ihre Produkte dort abzusetzen. Durch den Zusammenschluss zu Produktionsgemeinden, könnten sie bereits eine bessere Verhandlungsposition gegenüber potenziellen Käufern einnehmen, allerdings sind nicht alle in einer solchen Gemeinschaft integriert, wodurch ihre Verhandlungsposition sehr schwach bleibt.

Der Weg zum wirtschaftlichen Wohlstand gestaltet sich also in vielen Ländern sehr schwierig und ist mit einer Vielzahl von Hürden versehen, die erst einmal zu überwinden sind, bevor man tatsächlich seinen persönlichen Weg aus der Armut antreten kann.


Strategie/Projektmodelle/Schwerpunkte


Der Weg zu wirtschaftlichem Wohlstand bedarf eines ganzheitlichen Ansatzes, es müssen sowohl lokale als auch internationale Faktoren berücksichtigt werden. Deshalb werden u.a. die lokale Regierung, die Marktbedingungen und die Gemeinden selbst intensiv in den Prozess eingebunden. Gerade auf nationaler und internationaler Ebene ist die Schaffung von wirtschaftlicher Gerechtigkeit (Economic Justice) das Hauptanliegen von World Vision. Den Bürgern soll das Recht auf wirtschaftlichen Wohlstand eingeräumt werden, durch Gesetzgebung, policy und in der Praxis. World Vision unterstützt diesen Prozess durch Lobbyarbeit in Deutschland und vor Ort, sowie durch den Citizens Voice in Action Ansatz.

Heruntergebrochen auf die Ebene der einzelnen Haushalte hat World Vision es sich im Rahmen der Wirtschaftsentwicklung zum Ziel gesetzt nachhaltige und langfristige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Unternehmen sollen ein nachhaltiges Wachstum und Entwicklung erfahren und dauerhaften Zugang zu Märkten und Wirtschaftsförderungsmaßnahmen haben. Darüber hinaus soll ein gewissenhafter Umgang mit Ressourcen gepflegt werden. Sind diese Voraussetzungen innerhalb der Familien geschaffen, so führt dies zu erhöhter Produktivität und gesteigertem wirtschaftlichem Wohlstand, auch auf Gemeinde- und nationaler Ebene.

Um diese Ziele auf Gemeindeebene erreichen zu können sind zunächst unterschiedliche Schritte auf Marktebene notwendig. Zum einen muss der Zugang zu Märkten und wirtschaftsfördernden Institutionen erleichtert werden, die es Kleinunternehmen und Kleinproduzenten ermöglichen, aktiv am Markt zu partizipieren. Darüber hinaus muss Zugang zu Sparmöglichkeiten sowie Darlehen geschaffen werden, besonders für Mütter. Für junge Leute ist es sehr wichtig, ihnen entweder Zugang zu einem geregelten Arbeitsverhältnis zu verschaffen, oder aber sie im Schritt hin zur Selbstständigkeit zu unterstützen. Zusätzlich muss eine Art Versicherungssystem installiert werden, um von Umweltkatastrophen und Krisen betroffene Haushalte gegen Verluste abzusichern.

Aus der Identifizierung dieser Notwendigkeiten heraus haben sich für World Vision letztendlich vier konkrete Projektmodelle herauskristallisiert, die im Folgenden noch genauer erklärt werden.

• Das Spargruppen Projektmodell (Savings Group Project Model)
• Das lokale Wertschöpfungsketten Projektmodell (Local Value Chain Development Project Model)
• Das Geschäftsfacilitierung Projektmodell (Business Facilitation Project Model)
• Die Mikrofinanz Institution (Microfinance Institution)

Spargruppen (Saving Groups)

Eine Spargruppe ist eine Gruppe von Menschen, die miteinander sparen, um dadurch entweder Rücklagen für Notfälle anzusammeln oder durch das Sparvermögen kleine Darlehen für besondere wirtschaftliche Vorhaben gewähren zu können oder beides. Die Gruppe wird ausschließlich von Mitgliedern der Spargruppe geleitet und verwaltet und auch über die Verwendung des Geldes, darüber z.B. ob einem Bewerber ein Darlehen genehmigt wird oder nicht, bestimmen alle Mitglieder gemeinschaftlich und demokratisch. Diese Tatsache macht den Projektansatz besonders nachhaltig, da dauerhaft kaum bis gar keine Assistenz von außerhalb benötigt wird. Zudem wird ein Dominoeffekt angestrebt, bei dem bereits etablierte Spargruppen neu gegründeten Gruppen die nötige anfängliche Unterstützung zukommen lassen.

Natürlich sind zu Beginn aber gewisse heranführende Maßnahmen notwendig, um die Menschen in unseren Projektländern für die Bedeutung des Sparens zu sensibilisieren und sie mit dem notwendigen Wissen auszustatten und selbstständig solche Gruppen zu führen. 

Lokale Wertschöpfungsketten (Local Value Chain Development)

Der Local Value Chain Development (LVCD)-Ansatz ist ein Projektmodell, das sich an die Produzenten in unseren Projektregionen richtet. Ihre Wertschöpfungsketten werden untersucht und es wird anstrebt durch Produktionsgruppenbildung gemeinschaftlich neue Märkte zu erschließen und bessere Preise für die hergestellten Produkte auszuhandeln.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei der sogenannte „Market Facilitator“, welcher eine Art Mittlerrolle zwischen den Farmern und den übrigen Akteuren auf dem Markt einnimmt. Er führt eine tiefgreifende Analyse der Wertschöpfungsketten durch und spricht mit allen Beteiligten, um so hilfreiche Marktinformationen zusammenzutragen und Lösungen für identifizierte Problemfelder zu entwickeln. Er nimmt Initiativen für Veränderungen in die Hand und unterstützt verstärkt die Bildung von Produktionsgemeinschaften, um so für die gesamte Gruppe eine bessere Verhandlungsposition auf dem Markt zu schaffen. Außerdem bringt er die Produzenten bzw. die Vertreter der Produktionsgemeinschaft mit möglichen Käufern in Kontakt, priorisiert dabei aber gleichzeitig auch schon verschiedene Möglichkeiten.

Insgesamt wird den Produzenten durch LVCD zu einem besseren Verständnis der Märkte verholfen, sie können ihre Produktionsprozesse optimieren, bauen sich ein Käufernetzwerk auf und können so letztendlich höhere Verkaufszahlen erzielen, als zuvor. 

Erleichterung der Geschäftsbeziehungen (Business Facilitation)

Die Erleichterung der Geschäftsbeziehungen (Business Facilitaion)-Ansatz ist als Instrument gedacht, um wirtschaftlich selbstständige, aber doch gefährdete Gemeindemitglieder zusammen zu bringen, damit sie gemeinsam ihre Unternehmen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen um sie herum verbessern. Da dies hauptsächlich durch die Gemeinden selbst geschehen soll, bilden interessierte Gemeindemitglieder hierzu ein sogenanntes „Community Business Council“. Dieses arbeitet zusammen mit World Vision Experten an der Entwicklung einer entsprechenden Strategie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Projektgebiet, wie z.B. den Ausbau der Infrastruktur, ein verbesserter Zugang zu Finanzinstituten etc., und kümmert sich anschließend um deren Umsetzung. Die Hauptverantwortung bleibt hier bewusst bei den Gemeindemitgliedern.

Neben der Schaffung guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, ist die Einrichtung eines Geschäftsberatungs-Services zur individuellen (Weiter-)Bildung der Kleinunternehmer die zweite Hauptaufgabe des Community Business Councils. Die Beratung wird von einem professionellen Berater erbracht, der durch eigene Erfahrung und Wissen den Kleinunternehmern dabei hilft ihr Geschäft weiter zu entwickeln und zu vergrößern. Das Coaching ist dabei speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen und komplett kostenfrei zugänglich. 

Mikrofinanzinstitution VisionFund

Die World Vision Partnerschaft hat 2003 die Mikrofinanzinstitution VisionFund ins Leben gerufen und somit auf internationaler Ebene einen Ansprechpartner zum Thema Mikrokredite, Mikrosparen und Mikroversicherungen geschaffen. Mittlerweile hat VisionFund schon 930.305 Menschen über einen Kleinkredit geholfen und täglich werden es mehr.

Wenn sie mehr zum Thema Mikrofinanz erfahren wollen, gehen sie auf unsere Themenseite „Mikrofinanz“ oder besuchen sie Vision Fund


Weiterführende Links

 

Wirtschaftsentwicklung – World Vision International 
Wirtschaftsentwicklung – World Vision Australien
Savings Group „How do savings groups works“– World Vision Kanada
Secure the Future - World Vision Tanzania 

Unsere Expertin



















Katharina Jeschke

Fachreferentin für wirtschaftliche Entwicklung, Inclusive Business und Mikrofinanz
institut@wveu.org